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Miraculus
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Deutschland
2573 Beiträge

Erstellt am: 06.02.2010 :  21:38:03 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen,

kürzlich habe ich ein populärwissenschaftliches Journal gekauft und dann auch gelesen.
In einem der Artikel wurde ein interessantes Thema diskutiert:

Ob man mittels Hypnose in normalen Menschen eine Art Programm induzieren könne, durch das die Betreffenen auf einen Auslöser hin zu willenlosen Robotern werden, die Aufträge für andere erledigen.
Es geht also um menschen, die scheinbar völlig normal leben, um dann auf einen Auslöser hin bestimmten Befehlen zu folgen.
Diese hypothetischen Menschen wurden entsprechend der nachrichtendienstlichen Bezeichnung für inaktive, aber aktivierbare Agenten als "Sschläfer" bezeichnet.

In diesemArtikels wurde der Psychologe Dr. H.-U. Gresch zitiert. Er meinte, daß alle, die abstreiten, daß das beschriebene Szenario realistisch ist, entweder nicht vom Fach seien oder bewußt lögen.

Ich habe mich zugegebenermaßen ausgesprochen geärgert darüber. Denn da ich ebenfalls eine skeptische Meinung vertrete, falle auch ich unter das Verdikt: Entweder ich lüge oder ich bin nicht vom Fach. Letzteres stimmt ja auch, aber die Konnotation der Inkompetenz, die in dieser Aussage mitschwingt, finde ich unerfreulich.

Ich habe mich aber fast noch mehr stellvertretend für Hypnoseforscher wie etwa M. Orne, W. Coe, D.S. Calverley und T.X. Barber geärgert, die nämlich ganz eindeutig vom Fach sind, ausgesprochen aufwendige und gründliche Experimente zu dem Thea gemacht haben, und auch äußerst niveauvolle Überlegungen zur Sache angestellt haben.

Ähnliche Äußerungen, daß nämlich diejenigen lügen od. ahnungslos sind, die skeptisch beim Thema "Verbrechen und Hypnose" sind, habe ich auch andernorts schon zu meinem Ärger lesen müssen.

Was nun Gresch im Besonderen angeht, so finde ich es gut und lobenswert, wenn man sich mit dem Thema "Manipulation" und Gehirnwäsche auseinandersetzt und unethische Experimente, die durch verbrecherische Regierungen und ihre Behörden unternommen wurden, kritisch beleuchtet.

Was aber die Rolle der Hypnose betrifft, so bin ich skeptisch.
Gresch argumentiert etwa so:
Durch Hypnose wird eine künstliche multiple Persönlichkeitsstörung ausgelöst. Der Hypnotiseur hat dadurch Zugriff auf sein Opfer und kann es mehr oder weniger nach Belieben manipulieren/programmieren.
Er kann alle möglichen Programme "installieren".

Leider habe ich es unterlassen, Greschs Buch "Unsichtbare Ketten" in seiner Gesamtheit zu lesen, daher kann ich es leider auch nur eingeschränkt beurteilen. (Auch fehlt mir das Wissen über geheimdienstliche und konspirative Projekte.)
Ich habe mir aber einige Kapitel zu Gemüte geführt.
Schon der Anfang ist voll von fragwürdigen Behauptungen über Hypnose ist- wenn das Buch auf diesen Vorstellungen von Hypniose aufbaut, ist damit ein großes Problem geschaffen.

So heißt es beispielsweise:


"Der Arzt und Gerichtsgutachter Ludwig Mayer schreibt: „Die Hypnose ist ein Zustand gesteigerter Suggestibilität, der hervorgerufen wird, indem der hypnotisierende Arzt durch Suggestion in der zu hypnotisierenden Person bestimmte Vorstellungen erweckt. Unter Suggestionswirkungen in diesem Sinne versteht man die Beeinflussbarkeit psychischer und psychophysischer Vorgänge, die sich auf Grund von affektbetonten Vorstellungen im Unterbewusstsein abspielen und sich dann im Ablauf der Hypnose ohne Rücksicht auf den Willen oder Intellekt des Hypnotisanden im Oberbewusstsein durchsetzen.“"

"Der Psychologe George H. Estabrooks brachte diesen entscheidenden Faktor auf den Punkt: „In der Hypnose ist die Instanz, die das Unbewusste an die Oberfläche holt und die Kontrolle über das Unbewusste ausübt, ein anderes menschliches Wesen, der Hypnotiseur."

"Dabei hängt die Macht des Hypnotiseurs jedoch in entscheidendem Maß von der Trance-Tiefe ab."

"hypnotisierbare Menschen sind in tiefen Trancezuständen nicht mehr in der Lage, die Suggestionen des Hypnotiseurs mit der Realität zu vergleichen oder an den eigenen Maßstäben zu messen."

"In den beiden vorangestellten Fällen wird eine Besonderheit der Hypnose deutlich: In einem tiefen hypnotischen Zustand nimmt das Unbewusste die Äußerungen des Hypnotiseurs wortwörtlich. Es ist nicht in der Lage, posthypnotische Befehle kritisch zu hinterfragen und an der Realität zu überprüfen. Aber auch nach dem Aufwachen aus der Hypnose kann sich der Hypnotisand nicht kritisch mit den Suggestionen auseinandersetzen. Zwar hat er nun sein kritisches Wachbewusstsein wiedererlangt, aber, bedingt durch die posthypnotische Amnesie, kann er sich nämlich nicht mehr an die Hypnose sowie deren Inhalte erinnern."

"Die Möglichkeiten des Bewusstseins erster und zweiter Ordnung reichen aus, um Befehle auszuführen – wie ein Automat. Dabei können die Befehle durchaus komplex sein und ihre Ausführung ein hohes Intelligenzniveau erfordern. Es kommt nur darauf an, dass die zur Ausführung der Befehle notwendigen Verhaltensweisen ausreichend trainiert wurden, so dass kein eigenständiges, selbstbewusstes Denken mehr erforderlich ist."

"Auch fehlt unter dem Einfluss einer hypnotischen Bewusstseinskontrolle - die nicht mit einem oberflächlichen Trancezustand verwechselt werden darf - das Schuldbewusstsein; schließlich bedingen Schuld- und Selbstbewusstsein einander."

"Sämtliche posthypnotischen Erscheinungen tragen das Merkmal des psychischen Zwanges“, erläutert Mayer, „da der normale Wille pathologisch verändert ist. Der Aktivierungstrieb einer in Tiefenhypnose gesetzten Suggestion ist von dem kritischen Ich nicht mehr zu zügeln, da die Beauftragung als Idee immer wieder zum Vorschein kommt und sich allmählich zu Zwangsvorstellungen verdichtet. Anfänglich hat das Individuum vielleicht noch die Möglichkeit, sich über die Sinnlosigkeit seiner Impulse klar zu werden oder gegen seine Angstzustände anzukämpfen. Der fortwirkende Denkzwang wird sich aber gleich einem Schleier über die Kritikfähigkeit legen und alle Einwände zum Verstummen bringen."46 Der Schlüsselbegriff ist „Zwangsvorstellung“. Der Auftrag des Hypnotiseurs entwickelt sich zu einem „Denkzwang“, der u. U. eine Zwangshandlung verursacht, die Umsetzung des Auftrags in die Realität."

Jede dieser Äußerungen ist HOCHGRADIG angreifbar.
Z.B. bedeutet zunehmend tiefe Trance keineswegs automatisch einen höheren Gehorsam.
Selbst das subjektive Gefühl(!), den Suggestionen nicht widerstehen zu können, fand etwa Hilgard bei "mittelsuggestiblen " Probanden so häufig wie bei "tiefhypnotisierten".

Sofern es Zusammenhänge zwischen "Tiefe" der Hypnose und Gehorsam gibt, scheinen diese indirekter Natur und relativ schwach zu sein.
(Viele Experimente haben gezeigt, daß Hypnotisierte nicht gehorsamer als adäquate Kontrollgruppen sind.)
Die Behauptung, daß der Inhalt einer Suggestion sich ohne intellektuelle und willensmäßige Beteiligung beim Hypnotisierten durchsetzt, ist ebenfalls unhaltbar.

Der Hypnotisierte bleibt während der Hypnose ein vollwertiger Mensch - trotz anderer Schwerpunkte und Akzente wird m.W. jede heutige Theorie der Hypnose dieser Tatsache gerecht.

Insbesondere sind Greschs Auffassungen zur posthypnotischen Suggestion unhaltbar.
John F.Kihlstrom, den er übrigens ganz am Anfang bei der Hypnose zitiert, hat beispielsweise zusammen mit seiner Doktorandin Irene P. Tobis eine Arbeit verfaßt, die bald publiziert werden soll.
Tobis und Kihlstrom zeigen, daß eine hposthypnotische Suggestion selbst bei "sehr tief" hypnotisierten Personen sich keineswegs gegen eine Aufforderung im Wachzustand durchsetzen muß.

Dies paßt ins Bild: Die eingehende und anhaltende Forschung zu den posthypnotischen Suggetsionen hat eindeutig gezeigt, daß das Befolgen einer Pposthypnotischen Suggestion ein intelligentes Verhalten darstellt, das unter der Kontrolle des Hypnotisierten ist, und nicht zu mehr Gehorsam führt als entsprechende Aufforderungen im Wachzustand; ungeachtet des subjektiven Gefühls des Zwanges, das auftreten kann.
(Die posthypnotisce Suggestion wird auch nicht wörtlich, sondern gemäß den Anforderungen des Kontesxtes umgesetzt.)

Die gesamten Greschschen Hypohesen über eingepflanzte Programme sind somit unvereinbar mit er durch intensive Frorschung gestützte Theorie der posthypnotischen Suggestion. Wie mir ein Experte sagte scheint die Idee, daß eine posthypnotische Suggestion wie ein "Implantat" funktioniert, darüber hinaus ohnehin unvereinbar mit der kognitiven Psychologie zu sen.


Das Problem ist, daß Gresch ganz offensichtlich die gesamte neuere Literatur zum Thema "posthypnotische Suggestion" nicht kennt. Dies zeigt sich in dem entsprechenden Kapitel. (Das merkt man am Inhalt wie auch den Quellenangaben.)
Dasselbe gilt leider genau so für die posthypnotische Amnesie.
Experimente haben m.E. sehr deutlich gezeigt, daß der Hypnotisierte sein Gedächtnis kontrolliert - auch wenn dies "unterbewußt" geschieht.
Die falschen Auffassungen zum "hypnotischen Siegel" und hypnotischen "Zwängen" sind dann wohl die logische Folge der anderen Mißverständnisse.

Ein weiteres Kapitel, das ich mir zu Gemüte geführt habe, lautet:
"Klapperschlangen, Säuren und dreiste Lügen – die destruktive Hypnose im Experiment".
Hierin schildert Gresch die spektakulären Experimente von K. Rowland und P.C. Young, die ihre Probanden dazu bringen konnten, nach giftigen Schlangen zu greifen und anderen Personen Säure ins Gesicht zu schütten. Wache Personen, die man darum bat, weigerten sich.
Wenn Gresch hier von "dreisten Lügen" spricht meint er wohl, daß diese Tatsachen verheimlicht würden.
Was er offenbar nicht weiß: Als man das Experiment wiederholte und adäquate Kontrollgruppen mit einbezog, gehorchten die Nicht-Hypnotisierten genau so wie die Hypnotisierten.


Überhaupt scheint es sowohl vom Inhalt wie den Literaturangaben, daß Gresch nur die Literatur zum Thema "Hypnose und Verbrechen" kennt, die vor 1965 verfaßt wurde.
Das ist bedauerlich, denn da ist einiges Wichtige geschehen.

Ein ganz wesentlicher Bausteil der Gresch'schen Argumentation basier auf der Erkrankung der multiple Persönlichketsstörung.
Ich habe seine Argumentation bisher nicht ganz verstanden, was aber daran liegen kann, daß ich diesen Teil noch nicht intensiv genug gelesen habe. (Wenn mir hier jemand zu mehr klarheit verhelfen kann, dann bin ich sehr dankbar.)

Jedenfalls scheint Grech zu meinen, daß durch die Schaffung künstlicher Teilpersönlichkeiten die betreffende Person die Kontrolle über sich verliere:

"Bei einer sog. multiplen Persönlichkeit ist das aber anders. Hier arbeitet das unpersönliche Subjekt, diese noch formlose, gebündelte Willenskraft mit mehreren Skripts. Welches Skript realisiert wird, hängt von Umweltreizen ab."

"Infolge dieser brutalen Dressur entwickelt sich eine systematisch programmierte multiple Persönlichkeit, die über keinen eigenen Willen verfügt und von allen Menschen, die mit den entsprechenden Codes zur Auslösung der Programme vertraut sind, nach Belieben gesteuert werden kann."


"Diese Menschen wurden - von Kindesbeinen an - dressiert, sich so zu verhalten. Ihr vorpersönliches Subjekt wurde mechanisiert, durch ausgefeilte psychische und physische Folter."

"Die Amnesien zwischen den “Alters”, also den inszenierten Persönlichkeiten sind als Teil der Drehbücher autohypnotische Phänomene, psychogene Gedächtnisstörungen. Man kann sich dem Verständnis des unpersönlichen Subjekts nähern, wenn man sich mit der Hidden-Observer-Forschung beschäftigt."
(Letzte Zitate von seiner HP)

Wenn ich das richtig verstehe wird davon ausgegangen, daß der Persönlicheitskern bei der multiplen Persönlichkeit "mechanisiert" und "unpersönlich" ist, also keine Verbindung zu dem Willen und den Werten der entsprechenden person bestht.

Das ist m.E. völlig unnachvollziehbar. Das ganze Verhalten der multiplen Persönlichkeit ist ein intelligentes, motiviertes und der Persönlichkeit entsprechendes Verhalten.

Gresch selbst räumt das auf derselben Seite indirekt auch ein:
"Inzwischen geht auch die experimentelle Forschung dieser Frage nach. Wenn die Identitäten untereinander tatsächlich durch eine amnestische Barriere getrennt wären, dann dürften neue Informationen nur der jeweils aktiven Identität bekannt sein, den anderen aber nicht. Dass die amnestische Barriere aber keineswegs so undurchlässig ist, wie Betroffene vorgeben, zeigt z. B. die neue Studie von Kong, Allen & Glisky.

Für mich sind derartige Befunde keine Überraschung. Manche mögen sie dazu veranlassen, das Kind mit dem Bade auszuschütten und den Sinn der Diagnose DID bzw. MPD generell zu bestreiten. Dies jedoch halte ich, gerade angesichts der Daten, für verfehlt. Aus meiner Sicht haben Menschen mit dieser Diagnose keineswegs einen Schwarm von Identitäten oder Persönlichkeiten in sich. Sie sind, wie wir alle, nur eine Persönlichkeit mit einer Identität. Sie haben sogar eine sehr ausgeprägte Persönlichkeit, nämlich die Persönlichkeit eines Virtuosen der Selbst- und Fremdtäuschung wider Willen."

Daraus folgt dann allerdings NICHT, daß diese Person "mechanisch" und willenlos handeln würde, oder ein "unpersönliches" Subjekt wäre - das Gegenteil ist offensichtlich richtig.

Das Herzstück der Greschschen Argumentation - sein Konzept der Dissoziation und insbesondere der multiple Persönlichkeitsstörung sind somit offenbar unangemessen.
Weitere wesentliche und unverzichtbare Komponenten seiner These sind ebenfalls nicht haltbar - insbesondere was Hypnose allgemein, posthypnotische Suggestion und posthypnotische Amnesie angeht.

Damit bricht die Grundlage seiner Argumentation zusammen.

Ich kann nun die historisch-geheimdienstlichen Aspekte nicht beurteilen, aber Gresch gibt ja selbst zu, daß es letztlich keinen Beweis für seine Behauptungen gibt.
Wenn es tatsächlich möglich wäre, Menschen mittels Hypnose zu willenlosen Sklaven zu programmieren und "Subpersönlichkeiten" zu schaffen, dann wäre das IMHO durchgesickert. Manche Organisationen würden sich dieses Verfahrens bedienen, und es gäbe große Programme - und auch aus Gehemdienstkreisen sickert im Laufe der zeit vieles durch.
(Gresch "weiß" erstaunlich viel; beispielsweise mutmaßt er, daß diese "Schläfer" nicht alt werden.)

Mein Resümee:

Ich will an dieser Stelle betonen, daß ich mich nur insoweit mit Greschs Buch auseinandersetze, als ich es kenne.

Außerdem betreite ich nicht, daß es massive Gehirnwäsche und Manipulation geben kann.
Dafür, daß Hypnose hierbei in irgendeiner Form relevant sein könnte, gibt es m.W. jedoch keinerlei Beweise.
Dire Fähigkeit, hypnotische Erfahrungen zu machen ist etwas anderes grundlegend anderesals Gehorsam.
(Die insanssen eine Umerzeihungslager mögen nach einiger Zeit (im Durchschnitt) grehorsam sein, das heißtnicht, daß sie Hypnose intensiv erfahren würden! Hypnose ist NICHT gehorsam, und Hypnotisierbbarkeit weder Dummheit noch Hysterie noch Willensschwäche!!)

Sofern tatsächlich Experimente mit künstlich multipler Persönlichkeitsstörung stattgefunden haben, so mag Hypnose ein solches Verhalten im Sinne einer unterbewußten Rollenspieles begünstigen. Was dann aber Georsam und realen (und nicht nur gefühlten) Kontrollverlust angeht, s spricht alles dafür, daß er auf nicht-hypnotischen Größen wie sozialem Druck und Motivation beruht.

Die Begründer der sog. "Rollentheorie" der Hypnose halten es für möglich, daß eine Identifikation mit einer sozialen Rolle so stark ist, daß ein psychogener Tod durch Suggestion eintreten kann. M.E. zurecht gehen sie aber davon aus, daß dies nicht für die Hypnose zutrifft, sondern für kulturelle Kontexte, innerhalb derer ein extrem starker Galube an die übernatürliche Macht bestimmter Personen verankert ist.
"Programme" hingegen, die quasi-automatisch in einem menschen außerhalb seiner Kontrolle fortbestehen gibt es in gewisser Weise vllt. in pathologischen Kontexten - im eigentlichen Sinne existieren sie wohl kaum. Erst recht haben sie mit der Wirkungsweise des posthypnotischen Auftrags nichts zu tun.

Nichtsdestotrotz können natürlich (ohne, daß das speziell hypnotisch wäre), starke Hemmungen, Komplexe oder Zwänge bei Menschen auftreten, die man manipulativ sicherlich fördern kann.

Gresch scheint die Fallgeschichten zu glauben, bei denen angeblich jemand durch Hypnose zu Schaden kam. Er räumt zwar ein, daß man letztlich nicht entscheiden kann, ob Hypnose als Faktor ausschlaggebend ist, spielt dann aber diese skeptische Position herunter.
Skepsis ist aber absolut berechtigt: In den rominenten Fällen etwa, bei denen Menschen angeblich durch Hypnose zu Verbrechen "programmiert" wurden, bestand nicht nr eine intensiver soziale Beziehung zu den angeblichen Tätern. Vielmehr stritten die die Vorwürfe jeweils ab. Es kann durchaus sein, daß die angeblichen opfer geleogen haben, um sich zu schützen, oder daß sie konfabuliert haben, zumal sie teilweise Dutzende Stunden während Hypnose befragt wurden.
(In wenigstens einem Fall war das angebliche pfer sogar geisteskrank und widerrief später ausdrücklich seine Aussage.)

Sein Buch ist vor allem insofern ärgerlich ärgerlich, als es Hypnose und Manipulation gleichsetzt und vermittelt, daß "Gehorsam" eine intrinsische Eigenschaft der "tiefen" Hypnose sei.

Da dieses Buch unter Hypnotiseuren einigen Anklang findet, werden falsche Vorstellungen auf diese Weise multipliziert.
Gresch selbst ist übrigens der Meinung, daß Hypnose allein NICHT ausreicht, um jemanden willenlos zu machen, sondern nur im Zusammenhang mit einerlängeren Konditionierung.
Viele, dies ein Buch lesen, werden solche Feinheiten nicht wahrnehmen, sondern es bleibt nur hängen, daß ein kompetenter Wissneschaftler mit zahlreichen Zitaten aus der Fachliteratur endlich mal die "gutbestallten Professoren-Fuzzies" (Gresch) widerlegt, die aus grenzenloser Idiotie oder bösartiger verlogenheit ihre AUgen vor der vermeintlichen Wahrheit verschließen.

Alles in allem erscheint mir die gesamte Argumentation von Gresch sehr schwach und angreifbar zu sein, auch wenn die Beschäftigung mit dem Thema "Manipulation" sicherlich verdienstvoll sein kann und ich Greschs moralischen Impetus würdige.

Ärgerlich hingegen ist die Intoleranz, mit der diejenigen, die skeptischer als Gresch sind, vor die Alternative gestellt werden, verlogen oder inkompetent zu sein.
Greschs Argumentation ist viel zu schwach, als daß er sich diese Polemik leisten önnte.

Diese Intoleranz, und eine ähnliche Intoleranz anderer, die ähnlich - wenn gewöhnlich auch wesentlich unreflektierter - als Gresch denken, finde ich äußerst störend.

Es muß erlaubt sein, beim Thema "Hypnose-Dressur" und "Hypnose und Verbrechen" skeptisch zu sein, ohne daß einem unterstellt wird, man sein ein Lügner oder ahnungsloser Idiot.

LG Miraculus

Wenn irgendein Mensch etwas tun kann, kannst du es auch. (Richard Bandler)

Bearbeitet von: Miraculus am: 06.02.2010 21:39:16 Uhr
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