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Miraculus
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Deutschland
2573 Beiträge |
Erstellt am: 19.01.2010 : 18:32:51 Uhr
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Hallo zusammen,
oft wird der Hypnotisierte als absolut passiv anesehen. Das Reagieren auf Suggestinen wird als passiv aufgefaßt, und mitunter geht man soweit, dem "hypnotischen Subjekt" sogar die Fähigkeit zu eigener Aktion und Initiative abzusprechen.
Das dürfe an verschiedenen Gründen liegen:
- Die als "genuin" betrachtete hypnotische Reaktion auf eine Suggestion wird vom Probanden so erfahren, als laufe sie von selbst ab, oder so als ereigne sie sich zumindest "mühelos". - Wer sich hypnotisieren läßt hat bestimmte Vorstellungen, zu denen die populären Auffassung gehört, daß der Hypnotisand passiv und reaktiv ist. Soclhe Erwartungen und vorstllungen beeinflußen Handeln und Erfahrung. - Direkte und indirekte Suggestionen von Seiten des Hypnotiseurs können die Vorstellung verstärken, daß man als Hypnotisierter absolut passiv zu sein hat. - Meistens (und klassischwrweise) wird die Hypnose als Entspannungsverfahren eingesezt, das zu einem "vertieften", angebehnen Ruhezusatnd führen soll.
Ich will das Thema kurz behandeln und dabei besonders auf den "experimentalhypnotischen" Aspekt eingehen, also auf das Erzeugen hypnotischer Phänomene wie Levitation, Halluzinationen, Amnesie usw.
Tatsächlich erlebt sich ein Teil der Hypnotisierten als passiv, wenn er auf Suggestionen reagiert. Diese Personen warten einfach, bis etwas scheinbar von alleine geschieht.
Ein anderer großer Teil der Probanden hingegen ist "bewußt" aktiv, und stellt sich die suggerierten Ereignisse vor.
Schon Hilgard berichtete, daß selbst unter den besten Subjekten ein Teil "kognitive Strategien" wie Vorstellung nutzte, um Suggestionen zur Anästhesie umzusetzen.
Nach einer neueren Studie verwendeten selbst bei den schwierigsten hypnotischen Phänoemen wie Amnesie und Halluzinationen die meisten Probanden aktiv ihre Vorstellungskraft, um das gewünschte Phänomen zu erzeugen - und diejenigen Hypnotisierten, die das tun, sind mindestens so erfolgreich wie die, die nur passiv abwarten.
Die "Aktivität" bedeutet in diesem Sinne keineswegs, daß die Probanden sich dabei "anstrengten". Man kann sich ohne Anstrengung eine Sache vorstellen, und sie dann dabei durchaus als "mühelos" oder "unwillkürlich" erleben. (1*)
Des Weiteren muß man betonen, daß diejenigen, die sich als völlig passiv erleben, natürlich in Wahrheit auch "aktiv" sind und die hypnotischen Phänomene "erzeugen", wofür sie ihre kognitiven Fähigkeiten wie Imagination, Aufmerksamkeit, Dissoziation usw. zielgerichtet einsetzen. Das ganze Verhalten des Hypnotisierten ist stets ein intelligentes und zweckvolles Agieren, kontextbezogen und motiviert, mit dem etwa versucht wird, ein "gutes" hypnotisches Subjekt zu sein. Es geschieht niht einfach etwas mit dem Hypnotisierten, sondern er handelt zweckvoll. (Dies kann hier nicht weiter ausgeführt werden. Aber man kann oft beobachten, daß die Art, wie der Proband eine Suggestion umsetzt, intelligent durchdacht und kreativ ist und sozusagen seinen eigenen Stempel trägt.)
Aber kommen wir nochmals auf diejenigen zurück, die nicht nur aktiv sind - das sind alle -, sondern sich auch als aktiv erleben.
Ich möchte hier auf Beispiele von Sheehan und McKonkey verweisen, von zwei Hypnoseforschern, die ihre Probanden nach ihrem genauen Erleben während der Hypnose fragten. Die Bespiele zeigen, wie etliche Hypnotisierte selbst bei schwierigen Phänomenen bewußt aktiv beteiligt sind.
Als suggeriert wurde, daß ein weißer Stuhl als orange wahrgenommen werden soll (visuelle Illusion), erklärte ein Subjekt: "Ich begann es [das Orange] auf meiner Hand zu visualisieren, und bewegte es dann herüber [zm Stuhl]."
Es wurde von den beiden Forschern des Weiteren suggeriert, eine Person betretee den Raum (positive Halluzination). Eine Probandin schilderte ihr Erleben so: Sie dachte, "daß sie jemand in den Raum hereinkommen hörte und so war es recht einfach sie [die halluzinierte Person] hier zu sehen. Ich dachte einfach an ihr Hereinkommen und hörte, wie die Türe sich öffnet, und dachte an sie, als ich meine Augen öffnete, und sah [die halluzinierte Person] dasitzen."
Dies sind sogar Beispiels, wie eine Person die hypnotische Erfahrung "konstruiert". Zumindest ein aktives bewußtes Beteiligtsein zeigt aber auch der nächste Bericht eines anderen Subjekts zu demselben Experiment: Sie sagte, daß sie die Halluzination sah, weil sie es so wollte, daß sie "zu dem Zeitpunkt die geistige Macht hatte, alles zu sehen, weil ich mich in der Sitzung wirklich wohlfühlte und eine Art des Gefühls von großem Vertrauen zum Hypnotiseur hatte".
Von Martin Orne stammt ein bekanntes Experiment: Eine reale Person sitzt in einem Sessel. Orne suggerierte dann, daß diese Person sich in den anderen Stuhl gesetzt hat, und bat den Probanden die Augen zu öffenen. Diejenigen Subjekte, die eine gute Halluzination erzeugten, sahen dann beide Personen - die reale und die halluzinierte - gleich klar und deutlich. Orne fragte die Probanden dann, wie sie herausfinden können, welche Person real ist, und die Hypnotisierten ließen sich verschiedenes einfallen: Sie "beauftragten" beispielsweise die Halluzination gedanklich, die Hand zu heben oder aufzustehen und wegzugehen - mit Erfolg. (Auch andere schildern diese Experimente.)
Es ließen sich auch noch andere Beispiele finden für das aktive Beteiligtsein und das geistige Engagement Hypnotisierter.
Man beachte, daß wir es bei diesen Fällen, bei denen Probanden bewußt aktiv sind, mit "tiefer Hypnose" zu tun haben.(2*)
(Vergessen wir an diese Stelle getrost all die Aussagen, daß der "tief Hypnotisierte" bewußtlos oder nur eingeschränkt bewußt ist, oder daß seine "Kritikfähigkeit" sich ins Nirwana verabschiedet, oder daß er nicht oder nur wenig zu aktivem und spontanem Handeln in der Lage ist. Vergessen wir auch alle Behauptungen, wonach der Hypnotisand "in tiefer Trance" keinen eignenen Willen mehr hat und sich in einen hyper-gehorsamen Automaten verwandelt, und vergessen wir auch die Vorstellung, daß er bei experimenteller, therapeutischer oder sonstiger Hypnose - welcher Art auch immer - alles rezeptiv-passiv-automatisch in sich aufsaugt und nicht aktiv beteiligt ist.)
Nach meiner Erfahrung ist es übrigens für ein einigermaßen "hypnotisch empfängliches Subjekt" einfach, ein "passives" in ein "aktives" Reagieren umzuwandeln, und vice versa. Dabei sei auch hier nochmals betont, daß es nur um das Erleben von Aktivität/Passivität geht. Der Hypnotisierte ist natürlich immer aktiv, wenn er ein hypnotisches phänomen erzeugt.
Die Vorstellung, daß sein "Unterbewußtsein" wie ein Computer programmiert wird, läßt sich nicht halten. Vielmehr kann man sich den Hypnotisierten am Besten als intelligenten und voll "funktionsfähigen" Menschen denken, der bewußt oder "unterbewußt" etwas TUT, und dabei genau so wach, intelligent und willentlich handelt wie ein Nicht-Hypnotisierter.
------------- (1*) Ein Proband kann "aktiv" etwas imaginieren, und die Umsetzung der betreffenden Suggestion dennoch als "mühelos" erleben. Es zeigte sich allerings bei einem Experiment zu negativen Halluzinationen, bei dem de Probanden mit geöffneten Augen Buchstaben "verschwinden" lassen sollten, daß sie diese Aufgabe als weniger "mühelos" empfanden als diejenigen, die Hypnose nur simulierten.
Das Gefühl der Mühe können nach meiner Erfahrung einigermaßen "gute" Probanden aber ebenfalls leicht "beseitigen". Wie sehr in diesem Zusammenhang etwas als "mühevoll" oder "mühelos" erlebt wird, scheint übrigens nicht unbedingt davon abzuhängen, wieviel kognitiver Aufwand bei der Ausführung einer hypnotischen Aufgabe "objektiv" stattfindet.
(2*) Genau gesagt hat man es hier mit Fällen hoher Suggestibilität zu tun. Aber das subjektive Erleben von hypnotischer Tiefe und Suggestibilität korrelieren hoch. Das hier Gesagte gilt generell für "tiefe Hypnose/Trance".
Es gibt natürlich auch "tiefe" Hypnose, bei der man vielleicht wirklich wenig mitbekommt. Das liegt aber dann nicht daran, daß sich der Hypnotisierte in einen Zombie verwandeln würde, sondern daß diese Stadien wohl Formen der tiefen Meditation sehr ähnlich sind, wo die Aufmerkamkeit ganz nach innen oder ins "Leere" geht. Erickson, Hilgard und andere schildern, daß diejenigen, die solche Zustände erfahren, so etwas wie eine All-Einheit erleben können.
So eine Art von "tiefer Trance" ist vermutlich weder für eine experimentelle Hypnose noch für eine "normale" Hypnotherapie sonderlich geeignet.
Meistens versteht man ja aber unter "tiefer Hypnose" einen Zustand, bei dem die Flexilibiltät der Aufmerksamkeit erhalten bleibt - und wo ein intensives subjektives Erleben der Hypnose bei gleichzeitiger hoher Suggestibilität zu verzeichnen ist (, ev. begleitet von tiefer Entspannung). ----------------
LG Miraculus |
Wenn irgendein Mensch etwas tun kann, kannst du es auch. (Richard Bandler) |
Bearbeitet von: Miraculus am: 19.01.2010 18:51:34 Uhr
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