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JoeHypo
Mitglied


11 Beiträge

Erstellt am: 16.01.2010 :  00:04:06 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo alle,
ich bin noch relativ neu hier im Forum.

Ich habe einmal nachgedacht, und mir ist folgendes eingefallen.

Was würde wohl bei folgender Situation passieren.

Man versetzt sich in tiefe Selbsthypnose. Im Hintergrund läuft ein Radio wo ein Moderator spricht.

Das die Frage theoretisch ist sieht man schon hier dran, dass wahrscheinlich niemand ein Radio laufen lassen würde, wenn er sich in Selbsthypnose versetzt.

Aber nehmen wir einfach an, ein Nachbar hätte es plötzlich eingeschaltet, und so laut gemacht, dass man es gut hören kann.

In dem Radio spielt immer wieder wechselnd Musik, während der Moderator zwischendurch spricht.

Man selbst ist gerade in tiefer Trance und plötzlich sagt der Moderator: "Hallo, wir befinden uns nun im Jahre 1939, wo Glenn Miller mit 'Blue Orchids' seinen Nummer 1 Hit hat. Und den spielen wir jetzt..."
Dann erschallt der Song.

Nachdem man wieder erwacht ist, was würde dann passieren?

Würde man die Suggestion von dem Moderator annehmen?

Und wenn ja, würde man nach dem erwachen denken, man befände sich im Jahre 1939?

Die Suggestion wurde ja nicht mehr zurück genommen.

Wann würde man wieder an das aktuelle Datum glauben?


Ich konnte mir die Frage nicht richtig beantworten, wahrscheinlich, weil ich noch nicht genug weiss. Deshalb habe ich die Frage mal hier eingestellt.

Was meint Ihr?

Gruß, Jörg!

Miraculus
Mitglied

Deutschland
2573 Beiträge

Erstellt  am: 16.01.2010 :  18:29:54 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Jörg,

es kann vllt. sein, daß man die Inhalte des Radios unwillkürlich und unbewußt mit in sein Erleben während der Selbsthypnose einbaut.

Jedoch würde man mit Sicherheit die Aussgage, daß man sich im Jahre 1939 befindet, nicht als Suggestion umsetzen, schon zweimal nicht als posthypnotische Suggestion, die nach der Selbsthypnose weiterwirkt. (Wenn doch müßte man nach ganz besonderen,individuel vorliegenden Gründen suchen.)

Warum ist das so?


- "In einer Trance" zu sein, etwa in Selbsthypnose, bedeutet nicht, daß man gegenüber jedem Einfluß beliebig aufnehmebereit ist. Man ist kein hypersuggestibler Automat, der ungerichtet auf alles und jedes reagiert.


- Die Vorstellung ist zwar noch weit verbreitet, daß das Aufnehmen und Umsetzen von Suggestionen in einer quasi-automatischen Weise geschieht, ohne Prüfung der Inhalte, ohne Aufmerksamkeit, ohne Absicht, ohne Motivation, ohne "geistige Leistung".
Genaue Untersuchungen haben aber deutlich gezeigt, daß dieses Bild nicht stimmt, auch wenn man auf den ersten Blick einen entsprechenden Eindruck haben kann.

Beides, sowohl das "Empfangen" wie auch die Ausführung einer Suggestion, setzen Aufmerksamkeit, Entscheidung und Motivation vorraus, sie stellen ein intelligentes und zielgerichtetes Verhalten dar.

Wenn jemand z.B. die Suggestion umsetzt, daß er glaubt, es wäre das Jahr 1939, dann muß er sich engagieren und seine kognitiven fähigkeiten einsetzen, um dieses Erleben zu erzeugen.


Dies bedeutet NICHT, daß diese Vorgänge bewußt ablaufen müssen. Es heißt auch nicht, daß der Hypnotisierte sein Verhalten als "frei" empfindet, er kann vielmehr den Eindruck haben, unter einem Zwang zu stehen. (1*)

Auch bedeutet es nicht, daß jemand nicht "unwillkürlich" durch Hypnose in einer ähnlichen Weise beeinflußt werden kann, wie das auch durch andere Formen der Kommunikation möglich ist, so daß unbewußte Denk- und Suchprozesse angereht werden.
Es heißt nur, daß das Zeigen hypnotischer Phänomene nicht unwillkürlich, sondern kontextbezogen, gezielt und motiviert abläuft.


- Aus diesem Grund werden hypnotische/posthypnotische Suggestionen auch NICHT außerhalb des angemessenen Kontextes ausgeführt, es sei denn es bestünde ein besonderer Grund.
Das heißt für ein experimentelles Setting etwa, daß die posthypnotische Suggestion nicht außerhalb dieses Settings weiterwirkt.(2*)
Dennoch sollte man solche Suggestionen natürlich aufheben. (3*)
Man ist versucht, die posthypnotische Suggestion als unwillkürliches und quasi-automatisches Geschehen aufzufassen. Damit wird man ihr aber nicht gerecht, wie sich bei genauen Untersuchungen zeigt.


Wenn nun beispielsweise jemand während einer Hypnose suggeriert bekäme, es wäre das Jahr 1939, die Suggestion umsetzt, und der Hypnotiseur dann gehen geht, dann würde der Proband irgendwann aufhören, der Suggestion zu folgen, spätestens, wenn er merkt, daß das Experiment vorbei ist und der Hypnotiseur nicht zurückkommen wird. (4*)

------------------
(1*) Es zeigt sich aber, daß Personen unter posthypnotischer Suggestion "objektiv" nicht gehorsamer sind als motivierte Personen, egal, wie ihr subjektives Empfinden aussieht.
(2*) Selbst bei sehr informellen Tests außerhalb des engeren experimentellen Settings reagieren manche Versuchspersonen auf posthypnotische Sugegstionen. Beispielsweise sogar dann, wenn der Trigger für die Suggestion so präsentiert wird, als sei es reiner Zufall, dazu durch eine andere Person als den Hypnotiseur und zwei Tage nach dem Experiment.
Indem man die Tests noch weiter vom Setting entfernt, läßt sich aber zeigen, daß dies daran liegt, daß diese Versuchspersonen trotz allem durchschauen, daß in Wahrheit das Experiment noch läuft. Dann zeigt das Verhalten selbst exzellenter Probanden, daß die Reaktion auf die posthypnotische Suggestion nicht automatisch abläuft.
(3*) Es kann sein, daß die posthypnotische Suggestion bestehen bleibt, wahrscheinlich beispielsweise weil jemand glaubt, man teste ihr Fortbestehen im Alltag. Oder ev. hat diese Person starke zwanghafte Tendenzen. Dies kommt zwar selten vor, aber natürlich sollte man das berücksichtigen und Sugegstionen aufheben.
(4*) Gegen die Showhypnose wird (beispielsweise (von Kossak) übrigens der Einwand erhoben, daß Zuschauer womöglich irgendwelche Sugegstionen (sozusagen automatisch) aufnehmen, und dann mit ihnen leben müssen, da sie persistieren.
(Hier ist also nicht ein Zuschauer gemeint, der sich zeitweise mit dem Geschehen identifiziert und also selbst mal kurz "in Trance geht".)
Abgesehen davon, daß mir kein solcher Fall bekannt ist und diese Vermutung m.E. nichts als reine Spekulation bar jeder empirischen Untermauerung ist, stellt sich für mich noch eine ganz andere Frage: Wie kann Kossak diese Äußerungen vor dem Hintergrund seines Wissens und den Aussagen seines]/i] Lehrbuchs und [i]seiner dort vertretenen Meinung machen? Das ist für mich eines der größten Rätsel, die mir im Zusammenhang mit Hypnose bis dato begegnet sind.
------------------

LG Miraculus

Wenn irgendein Mensch etwas tun kann, kannst du es auch. (Richard Bandler)

Bearbeitet von: Miraculus am: 16.01.2010 18:46:23 Uhr
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JoeHypo
Mitglied


11 Beiträge

Erstellt  am: 17.01.2010 :  02:19:03 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Miraculus,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Sicherlich wird sich die Suggestion irgendwann auflösen. Aber ich frage mich wie das genau ist. Geht es schleichend? Der Proband fängt an zu zweifeln, und verwirft den Gedanken dann wieder, bis er schließlich irgendwann annimmt, das es wohl doch anders ist, als er denkt.
Oder kommt es mit einem Schlag?

Und wie ist es dann für den Probanden?

Wenn er erkennt, dass die Suggestion nicht wahr ist. Verwirrt ihn das nicht? Ich frage mich, ob das nicht doch irgendeinen Schaden hinterlassen kann?

Wirkt sich das wohl auf seine weitere Hypnotisierbarkeit aus? Läßt ihn das nicht unbewusst einen Schutz vor Hypnose aufbauen?

Gruß, Jörg!
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garry moon
Mitglied

Deutschland
228 Beiträge

Erstellt  am: 17.01.2010 :  09:10:54 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Jörg,
ich glaube nicht, dass in dieser von Dir beschriebenen Situation so etwas eintreten kann.
Wenn du eine Fremdhypnose machst ist die Aufmerksamkeit auf Deinem Hypnotiseur gerichtet. Andere Einflüsse interessieren Dich nicht wirklich. Auch bei der SH ist Deine Aufmerksamkeit nach innen gerichtet. Wäre das der Fall, so würde jeder der gerade einen Tagtraum hat, durch jeden Beeinflussbar... - Es ist aber eigentlich eher umgekehrt. Wenn Dich in dieser Phase jemand anspricht bekommst du es meist nicht mit. Wenn Du ein spannendes Buch liest oder einen Film siehst und Du dabei in Hypnose gehst würdest du doch auch nicht alles ausführen was darin vorkommt, oder?
Nein das UB ist nicht dumm und kann dies alles unterscheiden.


LG Garry Moon
Zertifizierter Hypno-Master
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JoeHypo
Mitglied


11 Beiträge

Erstellt  am: 17.01.2010 :  11:30:16 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Beruhigende Vorstellung.

Aber wenn man wirklich nicht beinflussbar ist bei einem Tagtraum, würde das doch gegen die Strategie der Werbung sprechen, oder?

Warum kommen die teuersten Werbungen immer direkt, und ohne Vorwarnung nach einer spannenden Szene?

Da wirkt das Prinzip doch auch, oder? Man ist gerade in seiner Tagtrance im Film, und das nutzt die Werbung aus, um blitzschnell einen Spot zu plazieren.

Gruß, Jörg!
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Miraculus
Mitglied

Deutschland
2573 Beiträge

Erstellt  am: 17.01.2010 :  16:14:25 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Jörg,


Zitat:
Sicherlich wird sich die Suggestion irgendwann auflösen. Aber ich frage mich wie das genau ist. Geht es schleichend? Der Proband fängt an zu zweifeln, und verwirft den Gedanken dann wieder, bis er schließlich irgendwann annimmt, das es wohl doch anders ist, als er denkt.
Oder kommt es mit einem Schlag?

Und wie ist es dann für den Probanden?

Wenn er erkennt, dass die Suggestion nicht wahr ist. Verwirrt ihn das nicht? Ich frage mich, ob das nicht doch irgendeinen Schaden hinterlassen kann?

Wirkt sich das wohl auf seine weitere Hypnotisierbarkeit aus? Läßt ihn das nicht unbewusst einen Schutz vor Hypnose aufbauen?



Ich denke, die Folgen sind recht unspektakulär. Das einzige wäre vllt., daß er vom Hypnotiseur enttäuscht und daher verunsichert ist, wenn der ohne Grund einfach geht. (1*)

Ich habe zweimal die Erfahrung gemacht, daß (gute und trainierte) Probanden von mir das Suggestiv-Phänomen Halluzination "von sich aus" beednet haben, da in beiden Fällen besondere Gründe vorlagen.
(In einem Fall war ein Freund mit einem Problem beschäftigt, das ihm durch den Kopf ging. Er hat die Halluzination dann einfach abgebrochen, und mit mir über dasselbe gesprochen. (2*))

Wenn der Hypnotisand glaubt, daß die Erleben eines Suggestiv-Phänomens seitens der Hypnotiseurs nicht länger erwartet wird, dann wird er es "abbrechen", ebenfalls wenn andere erhebliche Gründe bestehen.

Ich glaube nicht, daß der Proband dabei im Falle einer "realitätstäuschung"verwirrt ist und groß hin und herzweifelt.
So etwas findet man eher bei einem Psychotiker, dessen Wahnideen unter medikamentöder Behandlung allmählich zurückgehen.

Wie ich schon im letzten Posting angedeutet habe, produziert der Hypnotisierte das hypnotische Phänomen selbst - "unterbewußt" (bei einer "genuin" hypnotischen Reaktion), aber intelligent und zielstrebig.
(Man sollte den Hypnotisierten vielmehr als Handelnden und weniger als Automaten auffassen.)
Man kann auf vielerlei Weise zeigen, daß er die "tatsächliche" Realität kennt, und daß diese Kenntnis sein Handeln "auf höchster Ebene" beeinflußt. (3)*
Deshalb ist auch die selbständige "Auflösung" eines hypnotischen Phänomens und die Rückkehr des "normalen" Denkens sicherlich i.d.R. kein "Schock".

Wenn der Hypnotisand etwa die hypnotische Täuschung, daß wir im Jahre 1939 leben, beendet, dann ist das weniger etwas, was mit ihm "geschieht", sondern etwas, was er aktiv TUT.
Er hatte das Wissen über das tatsächliche Jahr "dissoziiert" und für sich selbst eine Täuschung erzeugt.
Er selbst entscheidet dann, sein Wissen über das tatsächliche aktuelle Jahr nicht länger zu dissoziieren.
(Es sei denn die Dissoziation verschwindet von alleine, weil der Hypnotisierte sie aus irgendeinem Grund nicht weiter aufrechterhalten kann.)

Zitat:
Aber wenn man wirklich nicht beinflussbar ist bei einem Tagtraum, würde das doch gegen die Strategie der Werbung sprechen, oder?

Warum kommen die teuersten Werbungen immer direkt, und ohne Vorwarnung nach einer spannenden Szene?

Da wirkt das Prinzip doch auch, oder? Man ist gerade in seiner Tagtrance im Film, und das nutzt die Werbung aus, um blitzschnell einen Spot zu plazieren.


Wie Garry schon gesagt hat, ist man in "Trance" nicht für jedweden Einfluß empfänglich. (Eine allgemeine und ungereichtete starke Hypersuggetsibilität findet sich daggeen ogt beim Alkohol(entzugs)derlir, dem "Delirum Tremens".)

Und: "Trance" und "Trance" ist auch nicht dasselbe.

Im Fall des Fernsehens würde ich sagen, daß die Platzierung der Werbeblogs am Ende spannender Stellen einen simplen Grund hat: Damit erhöht sich die Wahrwscheinlichkeit, daß der Zuschauer nicht einfach ins nächste Programm zappt oder abschaltet, sondern bei dem Film bleibt.

Ich weiß nicht, ob die Empfänglichkeit für Werbung direkt nach spannenden Szenen erhöht ist.
Wenn ja, dann vllt., weil die Aufmerksamkeit erhöht ist, oder weil eine Musterunterbrechung stattfindet.
Ich glaube aber nicht, daß das viel damit zu tun hat, daß man beim Film in einer "Tagtrance" ist.
Ich denke nicht, daß man bei beim Absorbiertsein von einem Film, einem Buch, oder während des Erlebens eines Tagtraums generell erhöht beeinflußbar durch Werbung ist. (Kann mich aber irren. )

Ich denke auch nicht, daß die Suggestionen der Werbung viel mit dm Reagieren auf hypnotische Suggestionen zu tun haben. Sonst müßten Menschen, die besonders gut auf Hypnose ansprechen, auch hervorragend auf Werbung reagieren, viel besser als die, die schwer zu hypnotisieren sid´nd.
Ohne Bewesise "wage" ich zu behapten, daß das diese Annahme weit von der Wirklichkeit entfernt ist.

Genau so wenig haben "eichtläubigkeit/Manipulierbarkeit und das Reagieren auf Hypnose viel miteinander zu schaffen.
(Aus diesem Grund halteich es auch für nicht sinnvoll zu sagen, daß etwa Hitler die Deutschen "hypnotisiert" habe, wie man das manchmal liest.)

Man spricht zwar stets von "Suggestion", aber das ist m.E. ein Begriff, den man für Dinge verwendet, die miteinander nichts oder nur wenig ooder nur indirekt zu tun haben.

So bin ich überzeugt, daß die "Mechanismen", die einer Beeinflussung durch Werbung und Hypnose zugrunde liegen, weitestgehend verschieden sind.
Der Einfluß durch Werbung erfolgt eher unwillkürlich und unbewußt, die Produktion eines hypnotischen Phänomens dagegen setzt das Folgende von Seiten des Hypnotisierten vorraus:

- Engagement
- Aufmerksamkeit
- "Bewußtsein" das auch "unterbewußt" sein kann. (Das heißt, daß auch bei unterbewußtem Handeln dasselbe "hohe" kognitive System involviert ist, das bei bewußten Entscheidungen verantwortlich zeichnet.
- Motivation
- Entscheidung
(Nochmals: All dies kann "unterbewußt" stattfinden, wobei dann aber das "Unterbewußtsein" in diesem Sinne "bewußtseinsnah" ist. )

Das alles findet man meistens sicher nicht, wenn jemand durch Werbung beeinflußt wird.

Das argumentative Problem, das man häufig findet, läßt sich in folgenden Formeln, bzw. durch ihre Kombination ausdrücken:

Hypnose = Induktion einer Trance;
Trance = Trance= Trance = Trance
Trance (allgemin) = hypersuggestibler Zustand
Jedes Hervorrufen irgendeinereiner "Trance" = hypnotisieren

Und das ist nicht richtig.

LG Miraculus

---------------

(1*) Man hat das Experiment gemacht, daß der Hypnotiseur unter dem Vorwand eines Notfalls weggerufen worden ist. Als er nicht mehr kam, sind die Probanden einfach nach einiger Zeit aufgewacht, und m.W. hat niemandem das geschadet.
Etwas anderes wäre es sicher, wenn der Hypnotiseur ohne ersichtlichen Grund geht - das könnte m.E. zu Verwirrung und Verunsicherung führen.

(2*) Es scheint mir, daß Hypnotisierte umso "selbständiger" und "autonomer" werden, je mehr Erfahrung sie mit Hypnose haben, während umgekehrt ihre Suggetsibilität zunimmt.
Zu ähnliichen Ergebnissen kommen auch andere, z.B. Forel.
Ich führe das darauf zurük, daß die sich der Proband im Lauf der Zeit immer weniger den "außerhypnotischen" "Ansprüchen" der Situation verpflichtet wird, wie sie in der sozialen Rolle der Hypnose enthalten sind.

Außerdem standen diese Vesuche mit Freunden statt, wo ohnehin ein anderes Verhältnis besteht als zwischen einem "Psychologen im Labor" und seinen Probanden.

Relevant für das "auonome" und "aktive" oder "reaktive" und "passive" Verhalten des Probanden ist m.E. auch der generelle "Approach" des Hypnotiseurs. Ich würde z.B. vermuten, daß meine Probanden sich überdurchschnittlich autonom und aktiv verhalten.

In dem geschilderten Fall waren die Halluzinationen, die durch die beiden "Versuchspersonen" selbständig "abgebrochen" wurden, das Ergebnis von Wachsuggestionen ohne formelle hypnotische Induktion.
Manche sehen einen prinzipiellen Unzterschied zwischen hypnotischen Suggestionen und Wachsuggestionen, und würden daher die Übertragbarkeit meiner Erfahrungen auf eine formelle Hypnose infragestellen, aber ich halte das für eine sehr schwache Position.

(3*)Das ist wohl auch der Grund dafür, daß viele Hypnotisierte selbst über die spektakulärsten Phänomene nicht überrascht sind, wenn ein solches "Überraschtsein" nicht in der Situuation erwartet wird.


Wenn irgendein Mensch etwas tun kann, kannst du es auch. (Richard Bandler)

Bearbeitet von: Miraculus am: 17.01.2010 16:23:15 Uhr
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adlerian
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Erstellt  am: 26.04.2010 :  16:26:31 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Ich möchte Garry noch ergänzen: Ganz entscheidend bei der Wirksamkeit von Suggestionen ist der Rapport, also sozusagen "der hypnotische Draht zwischen Hypnotiseur und Hypnotisiertem". Und es wird immer wieder davor gewarnt, den Rapport abbrechen zu lassen, etwa durch zu lange Pausen, weil das sehr unangenehm wäre. Das umgekehrt sozusagen aus dem Nichts ein Rapport spontan entsteht - wie in der Frage vorausgesetzt - halte ich für äußerst unwahrscheinlich.

LG adlerian

„Es kommt nicht so sehr darauf an, was einer mitbringt, sondern was er daraus macht!“ (Alfred Adler)
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Miraculus
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Deutschland
2573 Beiträge

Erstellt  am: 26.04.2010 :  21:38:56 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo adlerian,

das ist sicher richtig (wobei ich das mit den Pausen jetzt nicht so dramatisch finde).

Trotzdem scheint mir ein ganz wichtiger Aspekt zu sein, daß der Hypnotisierte derjenige ist, der etwas TUT.

Oft wird das Erzeugen eines Suggestivphänomens so verstanden, daß etwas mit einem Hypnotisanden PASIERT. Der Hypnotiseur macht etwas mit ihm: Er programmiert in seinem Unterbewußtsein herum, das wie eine amorphe Masse gedacht wird...und je "wehrloser" und "manipulierbarer" das Subjekt ist, je "suggestibler", desto mehr kann man in seine rPsyche herumwerkeln.

Zielführender scheint mir die Idee zu sein, daß der Hypnotisierte aktiv und zielgereichtet handelt.
Dieses Handeln setzt vorraus, daß der Hypnotisand motiviert ist, hypnotisch zu reagieren.
Es bedeutet nicht, daß er sein Handeln auf bewußter Ebene vollzieht und auch nicht, daß er es als willkürlich erlebt - genau das macht ja auch die Eigenart und das Interessante hypnotischer Phänomene (mit) aus.

Die hypnotische Halluzination "überfällt" einen nicht wie eine psychotische Halluzination, sondern ist das Ergebnis der (unterbewußten) aktiven "Anstrengung" des Subjekts.
Wenn man genug Experimente macht, dann sieht man irgendwann deutlich, wie der Hypnotisierte jederzeit auf "übergeordneter" Ebne weiß, ob etwas eine Halluzination oder real ist.

Daß jemand "in Trance" ist, bedeutet nicht, daß er allgemein" suggestibel" wäre. Dies würde vorraussetzen, daß etwas "automatisch" mit ihm geschieht, wenn er auf Suggesionen reagiert.
Und dieser Eindruck ist zwar naheliegend, aber nicht korrekt - das gilt auch für posthypnotische Suggestionen.

Jemand wird nur dann auf eine hypnotische SUggestion reagieren, wenn er sich dafür willentlich entscheidet....bewußt oder unterbewußt.

LG Miraculus

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adlerian
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Erstellt  am: 27.04.2010 :  10:03:04 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Miraculus,

Zitat:

Daß jemand "in Trance" ist, bedeutet nicht, daß er allgemein" suggestibel" wäre. Dies würde vorraussetzen, daß etwas "automatisch"
mit ihm geschieht, wenn er auf Suggesionen reagiert.
Und dieser Eindruck ist zwar naheliegend, aber nicht korrekt - das gilt auch für posthypnotische Suggestionen.



Das möchte ich dick unterstreichen. Ich würde etwas verkürzt sagen:
Hypnose / hypnotische Effekte bestehen aus Suggestion plus Trance/Tiefentspannung, wobei Suggestion ohne Trance/Tiefentspannung genauso möglich ist, wie Trance/Tiefentspannung ohne Suggestion. Innerhalb der Hypnose sind alle Konstellationen, in denen diese beiden Parameter in unterschiedlicher Stärke aktiv sind, möglich. (Aber wie üblich: Ist alles auch eine Frage der Definition. Diese Definition hat mir aber beim Verstehen geholfen.)

LG adlerian

„Es kommt nicht so sehr darauf an, was einer mitbringt, sondern was er daraus macht!“ (Alfred Adler)
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Miraculus
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2573 Beiträge

Erstellt  am: 28.04.2010 :  13:41:41 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Adlerian,

Zitat:
Zitat:

Daß jemand "in Trance" ist, bedeutet nicht, daß er allgemein" suggestibel" wäre. Dies würde vorraussetzen, daß etwas "automatisch"
mit ihm geschieht, wenn er auf Suggesionen reagiert.
Und dieser Eindruck ist zwar naheliegend, aber nicht korrekt - das gilt auch für posthypnotische Suggestionen.



Das möchte ich dick unterstreichen.


Ja, aber das ist ja eigentlich nicht leicht zu sehen.
Hypnotische Phänomne machen ja zuerste einmal den Eindruck, daß sie unwillkürlich und automatisch sind, und ev. sogar außerhalb der Kontrolle des Hypnotisierten und zwanghaft.
Und das ist ja oftmals (auf der subjektiven Ebene des Erlebens) auch richtig.
Nur wenn man genau hinsierht und einige Informationen ztusammenträgt, merkt man, daß den hypnotischen Phänomenen tatsächlich ein zielgerichtetes und willentliches Handeln zugrundeliegt...


Zitat:
Ich würde etwas verkürzt sagen:
Hypnose / hypnotische Effekte bestehen aus Suggestion plus Trance/Tiefentspannung, wobei Suggestion ohne Trance/Tiefentspannung genauso möglich ist, wie Trance/Tiefentspannung ohne Suggestion.



Bei der Gleichsetzung von Trance und Tiefenentspannung gibt es asllerdings das Problam, daß dann Formen der Wachhypnose nicht abgedeckt sind....

LG Miraculus

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adlerian
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Erstellt  am: 29.04.2010 :  08:44:31 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Miraculus,

Zitat:

Bei der Gleichsetzung von Trance und Tiefenentspannung gibt es allerdings das Problem, dass dann Formen der Wachhypnose nicht abgedeckt sind....



wie meinst Du das?

LG adlerian


„Es kommt nicht so sehr darauf an, was einer mitbringt, sondern was er daraus macht!“ (Alfred Adler)

Bearbeitet von: adlerian am: 29.04.2010 08:45:51 Uhr
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Miraculus
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Erstellt  am: 01.05.2010 :  19:49:14 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Bei der Wachhypnose kommt es typischerweise nicht zu einer tiefen Entspannung.
Bei der Aktiv-Wachhypnose, wo man auf einem Ergometer strampelt, steigt die körperliche Aktivität sogar.

LG Miraculus

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adlerian
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47 Beiträge

Erstellt  am: 04.05.2010 :  14:23:34 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,

ich schrieb ja
Zitat:

Hypnose / hypnotische Effekte bestehen aus Suggestion plus Trance/Tiefentspannung,
wobei Suggestion ohne Trance/Tiefentspannung genauso möglich ist,
wie Trance/Tiefentspannung ohne Suggestion.



Wachhypnose waere dann eben eine erhoehte Suggestibilitaet ohne Tiefentspannung. Diese Argumentation geht natuerlich ganz stark Richtung nonstate Theorie,



LG adlerian

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Miraculus
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Erstellt  am: 04.05.2010 :  14:55:28 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo adlerian,

dann habe ich das mißverstanden, tschuldige.

Falls Du Dich für non-state-Theorien interessierst, könnten wir ja einen Thread dazu aufmachen.

LG Miraculus

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adlerian
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47 Beiträge

Erstellt  am: 16.05.2010 :  13:35:09 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Miraculus,

sorry, dass ich erst jetzt antworte. Ich bin gerade sehr eingespannt und komme deshalb fast nicht ins Forum.

Zitat:

Falls Du Dich für non-state-Theorien interessierst, könnten wir ja einen Thread dazu aufmachen.



In ein paar Tagen oder Wochen, wenn ich wieder Land sehe, gerne!

LG adlerian

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